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Hashimoto und Magensäuremangel

Wenn du an Hashimoto-Thyreoiditis leidest, bist du wahrscheinlich mit einer Vielzahl von Symptomen vertraut, die dein tägliches Leben beeinträchtigen. Eines der weniger bekannten, aber dennoch bedeutenden Probleme im Zusammenhang mit Hashimoto ist der Magensäuremangel.

Diese oft übersehene Komplikation kann eine Vielzahl von Verdauungsbeschwerden verursachen und deine Nährstoffaufnahme erheblich beeinträchtigen. In diesem Artikel beleuchten wir die Ursachen und Symptome des Magensäuremangels bei Hashimoto und du bekommst wertvolle Tipps, wie du damit umgehen kannst, um deine Symptomatik zu verbessern.

Ursachen von Magensäuremangel bei Hashimoto

Magensäuremangel tritt relativ häufig bei Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis auf. Eine der Hauptursachen ist die Autoimmunerkrankung selbst, die nicht nur die Schilddrüse angreift, sondern auch andere Organe und Systeme im Körper beeinflussen kann.

Bei Hashimoto produziert die Schilddrüse nicht genügend Hormone, was den gesamten Stoffwechsel verlangsamt, einschließlich der Produktion von Magensäure. Ein zusätzlicher wichtiger Faktor ist die oft damit einhergehende chronische Entzündung, die die Magenschleimhaut schädigen und die Säureproduktion weiter reduzieren kann.

Eine weitere Ursache für einen Mangel an Magensäure, die einige Hashimoto-PatientInnen betrifft, ist die sogenannte Atrophische Gastritis (Autoimmungastritis). Eine Autoimmunerkrankung kommt selten allein: Bei Hashimoto Thyreoiditis bildet der Körper Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe. Ist das Immunsystem aber erst einmal aus der Balance geraten, kann es passieren, dass auch noch andere Strukturen im Körper zerstört werden, so zum Beispiel auch die Belegzellen des Magens, welche die für die Verdauung so wichtige Magensäure produzieren.

Dieser Vorgang findet meistens unbemerkt statt und erst später äußern sich dann die typischen Symptome eines Magensäuremangels. Ob du unter einer Atrophischen Gastritis leidest, kannst du beim Gastroenterologen untersuchen lassen.

Eine weitere mögliche Ursache ist die Infektion mit dem Keim Helicobacter pylori. Das kann sowohl einen Überschuss als auch einen Mangel an Magensäure bedingen.

Zusätzlich kann die langfristige Einnahme von Medikamenten wie Protonenpumpenhemmern (PPI), die (fatalerweise) oft zur Behandlung von Sodbrennen verschrieben werden, zu einem Magensäuremangel beitragen. Diese Medikamente reduzieren die Magensäureproduktion, was zwar kurzfristig Linderung verschaffen kann, aber langfristig die Verdauung und auch die Nährstoffaufnahme erheblich beeinträchtigt. Und wenn die Ursache für die Beschwerden kein Überschuss an Magensäure sondern ein Mangel ist, verschlimmern sie die Symptomatik natürlich noch auf lange Sicht.

Symptome und Auswirkungen von Magensäuremangel

Ein Magensäuremangel kann zu einer Vielzahl unangenehmer Symptome und gesundheitlicher Probleme führen, die oft nicht sofort mit Hashimoto Thyreoiditis in Verbindung gebracht werden. Zu den häufigsten Symptomen gehören Blähungen, Sodbrennen, Übelkeit, Völlegefühl und Aufstoßen, da die Nahrung im Magen nicht ausreichend zersetzt wird. Dies kann zu einer Fehlgärung und Gasbildung führen, die wiederum Bauchschmerzen und ein unangenehmes Völlegefühl verursachen.

Nährstoffmängel

Darüber hinaus kann ein Magensäuremangel die Aufnahme essenzieller Nährstoffe wie Vitamin B12, Eisen, Kalzium und Magnesium beeinträchtigen, da diese Nährstoffe auf eine ausreichende Magensäure zur Freisetzung und Aufnahme angewiesen sind. Ein Mangel an diesen Nährstoffen kann langfristig zu Blutarmut, Knochenschwäche und anderen gesundheitlichen Problemen führen.

Symptome können Müdigkeit, Schwäche, Haarausfall, trockene Haut, Mundgeruch, häufige Infektionen aufgrund eines geschwächten Immunsystems und eine schlechte Wundheilung sein. Diese Symptome werden oft übersehen oder fälschlicherweise anderen Ursachen zugeschrieben, was die Bedeutung der Diagnose und Behandlung von Magensäuremangel bei Hashimoto unterstreicht.

Dysbiose und Entzündungen

Ein Mangel an Magensäure beeinträchtigt die Fähigkeit des Körpers, Bakterien, Viren und Pilze abzutöten, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Dies kann zu einer Vermehrung schädlicher Mikroorganismen im Magen-Darm-Trakt führen und eine Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Darmflora, verursachen. Die Folge: Eine gestörte Darmbarriere, erhöhte Darmdurchlässigkeit und systemische Entzündungen. Diese Faktoren schwächen das Immunsystem und können autoimmune Reaktionen begünstigen.

Hormonelle Dysregulation

Zusätzlich beeinflusst ein Magensäuremangel die Sekretion von Hormonen, die die Verdauung und den Appetit regulieren, darunter Gastrin, Cholezystokinin, Sekretin, Ghrelin und Leptin. Dies kann die Kommunikation zwischen Magen, Darm, Gehirn und Schilddrüse stören, was den Stoffwechsel, das Körpergewicht, die Blutzuckerwerte und die Schilddrüsenfunktion beeinflussen kann.

Verminderte Verdauungsenzymaktivierung

Ein Mangel an Magensäure führt auch zu einer verminderten Aktivierung wichtiger Verdauungsenzyme wie Pepsin, das für die Proteinverdauung verantwortlich ist. Das kann dazu führen, dass Nahrungsproteine nicht vollständig verdaut werden, was allergische oder Unverträglichkeitsreaktionen auslösen, die Bildung von Toxinen erhöhen und das Immunsystem aktivieren kann. Dadurch wird das Fortschreiten von Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis potenziell begünstigt.

Beeinträchtigung der Wirkung von Medikamenten

Und noch ein wichtiger Punkt für Schilddrüsen-Patienten: Zur Resorbtion von L-Thyroxin benötigt der Körper ebenfalls genug Magensäure. Ein Mangel an Magensäure kann daher die Aufnahme von L-Thyroxin verschlechtern und somit auch eine bestehende Schilddrüsenunterfunktion noch verstärken. Das wiederum verlangsamt den Stoffwechsel, die gesamte Verdauungsleistung und die Produktion von Magensäure geht weiter zurück.

Das gilt übrigens nicht nur für L-Thyroxin sondern auch für eine Vielzahl wichtiger Nährstoffe, die der Körper benötigt, um Schilddrüsenhormone zu bilden und in die aktive Form umzuwandeln. Ein Teufelskreis also.

Diagnostik

Die Diagnose eines Magensäuremangels kann herausfordernd sein, da die Symptome unspezifisch sind und oft anderen Verdauungsstörungen ähneln. Hier bedarf es einer gründlichen Anamnese, angefangen bei der Beobachtung von Symptomen und einer Blutuntersuchung auf mögliche Mängel.

Bei Verdacht auf einen Magensäuremangel kannst du dich im nächsten Schritt entweder an einen Gastroenterologen wenden für weitere Untersuchungen und/oder einen Selbsttest zuhause durchführen. Im Folgenden sind alle möglichen Optionen aufgelistet.

Gastrin-Bluttest

Ein erhöhter Gastrinspiegel kann auf einen Magensäuremangel hinweisen, da der Körper versucht, die Säureproduktion durch die Ausschüttung von mehr Gastrin zu stimulieren.

Heidelberger Test

Eine geschluckte Kapsel mit einem pH-Sensor misst den pH-Wert im Magen und sendet die Daten an ein externes Gerät.

pH-Metrie

Eine Sonde wird durch die Nase in den Magen eingeführt, um den pH-Wert der Magensäure über einen bestimmten Zeitraum zu messen.

Magensaftanalyse

Bei einer Gastroskopie wird der Magensaft direkt entnommen und auf seinen pH-Wert und seine Zusammensetzung hin analysiert. Diese Methode ist sehr genau, aber invasiv.

Serologische Tests

Bluttests zur Messung von Vitamin B12, Eisen, Kalzium und anderen Nährstoffen können Hinweise auf einen Magensäuremangel geben, da die Aufnahme dieser Nährstoffe bei niedriger Magensäure beeinträchtigt ist.

Urease-Test

Ein spezifischer Test zur Diagnose einer Helicobacter pylori-Infektion, die häufig mit Magensäuremangel in Verbindung gebracht wird. Bei einer Gastroskopie wird eine Biopsie der Magenschleimhaut entnommen und auf Urease getestet, ein Enzym, das von H. pylori produziert wird.

Natron-Selbsttest

Diesen Test kannst du selbst zuhause durchführen. Löse einen halben TL Natron in einem halben Glas Wasser auf (ca. 200 ml) und trinke die Lösung. Wenn du nicht innerhalb von 5 Minuten rülpsen oder aufstoßen musst, dann deutet das auf einen Magensäuremangel hin.

Selbsttest mit Betain-HCL

Das Betain-HCL ersetzt die natürliche Magensäure und wenn sich durch die Einnahme vor oder zu einer proteinreichen Mahlzeit die Beschwerden (wie zum Beispiel Sodbrennen) verbessern, liegt wahrscheinlich ein Magensäuremangel vor. Wende diesen Test nicht an, wenn du unter einem Magengeschwür oder akuter Gastritis leidest.

Behandlungsmöglichkeiten

Die ursachenorientierte Behandlung von Magensäuremangel bei Hashimoto erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Eine Ernährungsumstellung hin zu einer antientzündlichen und nährstoffreichen Ernährung kann die Magenschleimhaut unterstützen und die Säureproduktion fördern. Bestimmte Lebensmittel wie grünes (Blatt)gemüse, Kräuter, Ingwer, Kurkuma und Apfelessig können besonders hilfreich sein.

Ernährung bei Hashimoto – was wirklich hilft!


Auch die Behandlung von Hashimoto selbst spielt eine wichtige Rolle. Die Verbesserung der Schilddrüsenfunktion (und ggf. eine optimierte Schilddrüsenhormontherapie) kann die Symptome des Magensäuremangels lindern. Stressmanagement ist ebenfalls wichtig, da Stress die Magensäureproduktion negativ beeinflussen kann.

Praktische Tipps für den Alltag

  • Beginne deine Mahlzeiten mit bitteren Lebensmitteln wie Rucola, Endivien oder Chicorée. Diese fördern die Magensäureproduktion und bereiten den Magen auf die Verdauung vor. Ein Glas lauwarmes Wasser mit einem Schuss Apfelessig oder Zitronensaft vor den Mahlzeiten kann ebenfalls helfen, die Magensäure anzuregen (Vorsicht bei empfindlichen Zähnen oder sensiblem Magen).

  • Bereite dir grüne Säfte zu aus Sellerie, Gurke und/oder Feldsalat und trinke sie gleich morgens, um die Magensaftsekretion anzukurbeln. Damit unterstützt du auch die natürliche Entgiftungsfunktion von Darm und Leber.

  • Achte darauf, langsam zu essen und deine Nahrung gut zu kauen. Das entlastet deinen Magen und verbessert die Verdauung.

  • Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag statt weniger großer kann helfen, den Körper zu entlasten. Wichtig dabei ist, dich nicht zu überessen.

  • Vermeide große Mengen an Flüssigkeit zu den Mahlzeiten, da dies die Magensäure verdünnen kann. Stattdessen solltest du zwischen den Mahlzeiten ausreichend Wasser trinken.

  • Bitterstoffreicher Tee (zum Beispiel Löwenzahn) kann zwischen den Mahlzeiten getrunken deine Verdauung fördern.

  • Kümmere dich um deine Leber und deine Darmgesundheit durch die Umstellung auf eine antientzündliche und darmfreundliche Ernährung. Sie sind wichtig für eine gesunde Verdauung und Entgiftung und arbeiten eng mit der Schilddrüse zusammen. Nur dadurch wirst du deine Beschwerden wirklich langfristig los.

  • Verzichte insbesondere auf Gluten und Milchprodukte sowie (stark verarbeitete) Produkte. Das allein reicht zwar noch nicht aber kann in den meisten Fällen schon zur Besserung beitragen.

  • Vorübergehend können dir bestimmte Supplements dabei helfen, Symptome wie Verdauungsbeschwerden und Sodbrennen zu lindern. Dazu gehören insbesondere Bittertropfen* und Betain*. Wenn du Betain-HCl-Präparate einnimmst, beginne mit einer niedrigen Dosis und steigere sie langsam, bis Du eine leichte Wärme im Magen spürst. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Magensäureproduktion unterstützt wird.

  • Regelmäßige Bewegung und Stressabbau sind ebenfalls wichtig. Aktivitäten wie Spaziergänge, Yoga oder Atemübungen können die Verdauung fördern und das allgemeine Wohlbefinden verbessern.

  • Denke daran, regelmäßig deine Nährstoffwerte überprüfen zu lassen, um Mängel frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Lass insbesondere unbedingt deinen Vitamin B12-Spiegel messen (Holotranscobalamin) und Eisen (Ferritin). Nimm Vitamin B12 als Tropfen oder Lutschtablette ein statt als Tablette, da sie über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können. Bei schwerem Mangel müssen manchmal auch Spritzen verabreicht werden. Da auch die Aufnahme von Magnesium beeinträchtigt sein kann, empfehle ich die tägliche Einnahme eines gut bioverfügbaren Magnesium-Komplex*.

  • Weil ein Magensäuremangel zu einer schlechteren Proteinverdauung führt ist es wichtig auf eine ausreichende Proteinzufuhr zu achten. Pflanzliches Protein belastet den Körper weniger als tierisches, um die Verdaulichkeit zu erhöhen ist es aber wichtig, die Lebensmittel entsprechend zuzubereiten (Einweichen, Keimen, ggf. Fermentieren).

    Zusätzlich kannst du ein Proteinpulver verwenden oder, bei gravierendem Magensäuremangel, einen Aminosäuren-Komplex*, in dem die essenziellen Aminosäuren (Bausteine für Proteine) bereits in reiner Form vorliegen und nicht erst aufgespalten werden müssen.

Quellen

Banoo, H., and N. Nusrat. “Implications of Low Stomach Acid: An Update.” RAMA Univ. J. Med Sci 2 (2016): 16-26.

Venerito, M., et al. “Autoimmune gastritis in autoimmune thyroid disease.” Alimentary Pharmacology & Therapeutics 41.7 (2015): 686-693.

Middleton, W. R. “Thyroid hormones and the gut.” Gut 12.2 (1971): 172.

Banoo, H., and N. Nusrat. “Implications of Low Stomach Acid: An Update.” RAMA Univ. J. Med Sci 2 (2016): 16-26.

Untersmayr, Eva, and Erika Jensen-Jarolim. “The role of protein digestibility and antacids on food allergy outcomes.” Journal of Allergy and Clinical Immunology 121.6 (2008): 1301-1308.

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Ich bin Laura, studierte Ernährungswissenschaftlerin (M.Sc.) und ich helfe Betroffenen mit Hashimoto Thyreoiditis, ihre Müdigkeit, überflüssige Kilos und Verdauungsbeschwerden loszuwerden und sich endlich wieder richtig gut zu fühlen.

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