Ja, bei Hashimoto empfehle ich, auf Gluten zu verzichten. Aber ohne Panik: Wer keine Zöliakie hat, muss wegen Spuren nicht verzweifeln, und der Verzicht allein macht dich nicht gesund.
Vielleicht hast du dir diese Frage auch schon gestellt. So viele Informationen an jeder Ecke rund ums Thema Ernährung, was stimmt denn nun am Ende wirklich? Hier ist meine Antwort als Ernährungswissenschaftlerin, die selbst Hashimoto hat.
Warum hilft eine glutenfreie Ernährung bei Hashimoto?
Eine glutenfreie Ernährung kann bei Hashimoto sehr hilfreich sein, und vielen Betroffenen geht es damit besser. Dafür gibt es drei Gründe.
1. Hashimoto und Zöliakie treten häufig zusammen auf
Eine Autoimmunerkrankung kommt selten allein. Laut der S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) sollen sich Hashimoto-Patientinnen auf Zöliakie untersuchen lassen. Bis zu 7 % der Hashimoto-Patientinnen tragen Zöliakie-Marker, und 10 bis 30 % der Zöliakie-Patienten haben Schilddrüsen-Antikörper.
Mein Rat: Lass dich einmal auf Zöliakie testen, bevor du Gluten weglässt. Ein Test ist nur aussagekräftig, solange du noch Gluten isst.
2. Glutenhaltiges Getreide enthält Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs)
ATIs führen zu einer erhöhten Anzahl und Aktivierung von Mastzellen im Darm und zur Freisetzung von Entzündungsmediatoren. Das kann völlig symptomlos ablaufen. Bei einer Autoimmunerkrankung hat das aber womöglich negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf.
3. Gliadin erhöht die Durchlässigkeit des Darms
Das Klebereiweiß Gluten besteht aus den Proteinen Prolamin und Glutelin. Im Weizen steckt das Prolamin Gliadin, und das erhöht die Darmlässigkeit. Damit steigt das Risiko, dass unverdaute Nahrungsbestandteile durch die Darmbarriere gelangen und unerwünschte Immunreaktionen auslösen. Mehr dazu liest du in meinem Artikel über Leaky Gut und Hashimoto.
Warum das bei Hashimoto besonders zählt
Hashimoto ist keine reine Schilddrüsen-Sache, sondern ein Fehlalarm deines Immunsystems. Und ein Großteil deiner Immunzellen sitzt in deinem Darm. Alles, was die Darmwand reizt, kann den Alarm weiter befeuern.
Muss ich jetzt in Panik verfallen, wenn ich Gluten gegessen habe?
Nein. Ich halte nichts von falscher Panikmache. Wenn du nicht unter Zöliakie leidest, ist Gluten in Spuren oder in geringen Mengen höchstwahrscheinlich relativ unproblematisch. Wie stark du reagierst, hängt unter anderem von der Aktivität deiner Erkrankung und vom Zustand deines Darms ab. Mach dich deshalb bitte nicht verrückt.
Bedenke auch: Nur der Verzicht auf Gluten allein wird dich nicht gesund machen. Dazu gehört noch viel mehr. Welche Bausteine das sind, erkläre ich in Ernährung bei Hashimoto: was dir wirklich hilft.
Worauf muss ich beim Umstieg auf glutenfrei achten?
Wenn du dich glutenfrei ernährst, solltest du unbedingt deine gesamte Ernährung umstellen und auf sinnvolle glutenfreie Alternativen ausweichen. Wer Weizenbrot einfach durch Fertigprodukte aus Reismehl und Stärke ersetzt, tut sich keinen Gefallen: Die Darmflora verarmt, und die Belastung mit Arsen steigt. Kurz: Du schadest dir am Ende nur selbst.
Sinnvolle Alternativen sind vollwertige, glutenfreie Lebensmittel wie Hirse, Buchweizen, Quinoa, Hafer in glutenfreier Qualität, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Gemüse. Entscheidend ist nicht nur, was du isst, sondern wie du es zubereitest: einweichen, keimen, richtig garen.
Muss ich deshalb auf alles Leckere verzichten?
Nein. Ein Rezept für gesunde glutenfreie Brötchen und 40 weitere Rezepte, alle glutenfrei, vegan, laktosefrei, ohne Soja und ohne raffinierten Zucker, findest du in meinem E-Book Entzündungshemmend essen mit Hashimoto. Zum Reinschnuppern: die cremige 15-Minuten-Lupinenpfanne aus dem Blog.
Häufige Fragen
Ist Gluten bei Hashimoto grundsätzlich verboten?
Verboten ist es nicht. Ich empfehle den Verzicht, weil Zöliakie bei Hashimoto häufiger vorkommt, weil ATIs Entzündungsmediatoren im Darm freisetzen und weil Gliadin die Darmwand durchlässiger macht. Ohne Zöliakie sind Spuren aber kein Drama.
Soll ich mich vor dem Verzicht auf Zöliakie testen lassen?
Ja. Die S2k-Leitlinie der DGVS empfiehlt Hashimoto-Patientinnen den Zöliakie-Test. Er funktioniert nur, solange du noch Gluten isst.
Reicht es, nur Gluten wegzulassen?
Nein. Der Verzicht auf Gluten allein macht dich nicht gesund. Entscheidend ist eine insgesamt antientzündliche, darmfreundliche Ernährung mit vollwertigen Alternativen.
Welche glutenfreien Getreide sind sinnvoll?
Hirse, Buchweizen, Quinoa und Hafer in glutenfreier Qualität, dazu Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Fertigprodukte aus Reismehl und Stärke möglichst meiden.
Über die Autorin
Laura Burau ist Ernährungswissenschaftlerin (M.Sc.) und selbst von Hashimoto betroffen. Mit Immunfood begleitet sie Frauen mit Hashimoto zu mehr Energie durch eine antientzündliche, darmfreundliche Ernährung. Ihr 8-Wochen-Onlinekurs ist zertifiziert und wird von allen gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Mehr über Laura





