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Gluten hat heutzutage einen sehr schlechten Ruf und ganz besonders im Zusammenhang mit Hashimoto. Vielleicht bist du auch verunsichert und fragst dich, ob du lieber auf Gluten verzichten solltest.

Ich möchte versuchen, mit diesem Artikel etwas Licht ins Dunkel zu bringen und mich natürlich in erster Linie auf den Zusammenhang zwischen Gluten und Hashimoto beziehen.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Stoffgemisch aus Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten, das in Samen verschiedener Getreidesorten vorkommt. Charakteristisch für das Gluten sind vor allem seine Speicherproteine: Prolamine und Gliadine. Gluten wird auch als Klebereiweiß bezeichnet, weil es in Verbindung mit Wasser eine elastische Masse bildet und dadurch hervorragende Backeigenschaften besitzt. Es klebt den Teig praktisch zusammen.

Worin ist Gluten enthalten?

Folgende Getreidesorten enthalten Gluten:

Hafer ist eigentlich von Natur aus glutenfrei. Da er jedoch durch den gemeinsamen Anbau und Produktionsprozesse mit glutenhaltigem Getreide in Kontakt kommt, enthält handelsüblicher Hafer häufig Spuren von Gluten.

Deshalb gibt es mittlerweile Produkte aus Hafer, bei denen speziell darauf geachtet wird, dass sie nicht kontaminiert sind. Nur solche Produkte dürfen als „glutenfrei“ deklariert werden.

Muss ich auf Gluten verzichten?

Es gibt drei medizinische Besonderheiten, bei denen ein Verzicht auf glutenhaltige und/oder weizenhaltige Nahrungsmittel notwendig ist:

  1. Zöliakie
  2. Weizen-Allergie
  3. Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität

Auf diese möchte ich im Folgenden näher eingehen.

Was ist Zöliakie?

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei welcher der Körper durch Kontakt mit Gluten Antikörper gegen das eigene Gewebe bildet. Die Folge ist eine Zerstörung der Darmepithelzellen und eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Dadurch können nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden und es entstehen im Laufe der Erkrankung diverse Nährstoffdefizite.

Woran erkenne ich eine Zöliakie?

Die klassischen Symptome einer Zöliakie sind Durchfall und Bauchschmerzen. Diese treten jedoch nicht immer auf. Der Krankheitsverlauf und die Symptome sind sehr individuell und oft auch dadurch geprägt, welcher Nährstoffmangel in welchem Ausmaß vorliegt.

Es kann daher auch zu eher unspezifischen Anzeichen kommen wie Müdigkeit, Depressionen, Schlaflosigkeit, Migräne bis hin zu Osteoprose und Unfruchtbarkeit.

Eine sichere Diagnose kann nur beim Arzt gestellt werden. In der Regel erfolgt dann ein Bluttest auf spezifische Antikörper sowie eine Dünndarmbiopsie im Rahmen einer Magenspiegelung.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ich unter Zöliakie leide oder daran erkranke?

Man geht davon aus, dass in Deutschland die Häufigkeit insgesamt bei etwa 1:100 liegt.

Da es sich bei der Zöliakie um eine T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung handelt, ist es wahrscheinlicher für dich, daran zu erkranken, wenn du bereits unter einer anderen diagnostizierten Autoimmunerkrankung leidest, zum Beispiel Hashimoto Thyreoiditis, Diabetes Typ 1 oder rheumatoider Arthritis.

Bei 10-30% der Zöliakie-Patienten werden Hashimoto-typische Schilddrüsen-Antikörper gefunden. Umgekehrt weisen bis zu 7% aller Hashimoto-Patienten Marker für eine Zöliakie auf.

Die S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) gibt vor, dass bei Hashimoto-Patienten eine Zöliakie ausgeschlossen werden soll. Lass dich daher beim Gastroenterologen untersuchen, um herauszufinden, ob du unter Zöliakie leidest.

Wie wird Zöliakie behandelt?

Die einzige Therapie ist eine lebenslange, strenge glutenfreie Ernährung. Das ist wichtig, damit sich die Dünndarmschleimhaut regenerieren kann und eine normale Nährstoffaufnahme wieder möglich ist.  Schon die Aufnahme kleinster Mengen an Gluten kann erneut zu Entzündungen und Beschwerden führen.

Unbedenklich sind Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Teff, Maisgrieß, Vollkornreis, Hafer (glutenfrei), Kartoffeln und daraus hergestellte Produkte.

Was ist eine Weizen-Allergie?

Bei einer Weizen-Allergie reagiert der Körper allergisch auf die unterschiedlichen Eiweißbestandteile im Weizen. Das sind nicht nur Gluten sondern auch Weizen-Albumin und Globulin.

Es gibt verschiedene Formen der Weizenallergie. Beim IgE-vermittelten Typ treten die Symptome in der Regel sofort nach dem Verzehr von Weizen auf. Das sind typischerweise Symptome wie Schwellung, Jucken, Kratzgefühl oder Rötung auf der Haut, im Mund, der Nase, den Augen oder im Rachen bis hin zu Atemnot und Asthma.

Beim T-zellvermittelten Typ treten die Symptome zeitverzögert auf. Das sind dann meistens Beschwerden im Magen-Darm-Trakt oder auch Ekzeme auf der Haut.

Wie kann ich testen, ob ich allergisch auf Weizen bin?

Eine Weizenallergie kann und sollte ebenfalls beim Arzt diagnostiziert werden. Dafür wird ein Test auf spezifische IgE-Antikörper sowie ein Haut-Pricktest durchgeführt.

Wie wird die Weizen-Allergie behandelt?

Betroffene sollten Weizen meiden und alle Getreidesorten, die dem Weizen ähnlich sind.

Auch glutenfreie Lebensmittel können theoretisch andere allergene Weizeneiweiße enthalten. Allerdings muss dann ein entsprechender Hinweis auf der Verpackung vermerkt sein. Das gilt für sämtlich industriell verarbeitete Lebensmittel und auch für Medikamente, weil diese auch Weizenbestandteile enthalten können.

Geeignete Alternativen bei Weizenallergie sind zum Beispiel Hafer, Quinoa, Amaranth, Hirse, Reis oder Buchweizen sowie Produkte aus Mais- und Kastanienmehl. Je nachdem, auf welche Eiweißbestandteile man im Weizen reagiert, werden oft auch Roggen und Gerste vertragen.

Was ist eine Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität?

Die Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität ist in den meisten Fällen eine Unverträglichkeit gegenüber sogenannten Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs). ATIs sind Proteine im Getreide, die es widerstandsfähiger gegenüber Parasiten machen. Sie kommen hauptsächlich im Weizen vor aber auch in anderen Getreidesorten, die Gluten enthalten. Für die Enzyme in unserem Darm sind ATIs so gut wie nicht abbaubar.

Welche Probleme machen die ATIs?

Die ATIs führen zu einer Aktivierung des angeborenen Immunsystems über Toll-like-4-Rezeptoren. Es kommt zu einer vermehrten Migration von Dendritischen Zellen und einer erhöhten Anzahl und Aktivierung von Mastzellen im Darm. Auf diese Aktivierung hin erfolgt eine Freisetzung von Zytokinen, Chemokinen und weiteren Entzündungsmediatoren im Darm.

Das kann völlig symptomlos ablaufen und es ist noch unklar, welche Auswirkung diese Immunaktivierung beim gesunden Menschen hat. Wenn du bereits unter einer Autoimmunerkrankung leidest oder unter einer anderen chronisch-entzündlichen Erkrankung, bei der das Immunsystem – und dazu gehört auch der Darm – beteiligt ist, können die ATIs sich vermutlich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Wie stelle ich fest, ob ich sensitiv auf ATIs reagiere?

Wichtig ist, dass man zuerst eine Zöliakie, eine Weizenallergie oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung beim Arzt ausschließen lässt. Neuerdings lässt sich die ATI-Sensitivität aufgrund einer vielversprechenden Studie auch schon mittels der beiden Biomarker FABP2 (Fatty-Acid-Binding-Protein 2) und sCD14 (lösliches CD14) im Blut nachweisen.

Die Symptome sind sehr individuell und können sein: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, Kopfschmerzen, Benommenheit, Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Hautveränderungen, depressive Stimmung und Anämie.

Ein Symptomtagebuch kann dir dabei helfen, herauszufinden, ob ein Zusammenhang mit dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel besteht. Das ist aber nicht ganz so einfach, weil das Einsetzen der Symptome in der Regel Stunden bis Tage dauert.

Daher macht es mehr Sinn, bei Verdacht auf die Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität deine Ernährung für einen längeren Zeitraum auf glutenfrei umzustellen. Wir sprechen dabei von mindestens 3-6 Monaten. Solltest du in dieser Zeit eine deutliche Verbesserung deines Befindens feststellen, bist du mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf dem richtigen Weg. Das Gute ist, im Gegensatz zur Zöliakie werden kleine Mengen Gluten bzw. Weizen meistens vertragen. Deshalb musst du darauf nicht ganz so konsequent und streng verzichten. Für die richtige Diagnose ist es aber hilfreich.

Gluten bei Hashimoto - meine Empfehlung

Wenn du unter Hashimoto Thyreoiditis leidest, rate ich dir dazu, im Rahmen einer entzündungshemmenden Ernährung auch den Verzehr glutenhaltiger Nahrungsmittel und insbesondere von Weizen weitestgehend zu reduzieren.

Durch moderne Züchtung ist der Gehalt an ATIs ebenso wie an Gluten heutzutage vor allem im Weizen deutlich erhöht. Das ist vermutlich ein Grund, weshalb das Auftreten von Weizen- und Glutenunverträglichkeiten in der Bevölkerung zunimmt. Auf der anderen Seite nimmt die Anzahl der Autoimmunerkrankungen und anderer chronischer Entzündungen ebenfalls zu. Vielleicht erklärt das wiederum das vermehrte Auftreten von Unverträglichkeiten.

Ein Zusammenhang lässt sich jedenfalls nicht abstreiten und die Ursache liegt womöglich im Darm, dem Sitz unseres Immunsystems.

Es gibt viele gesunde und nährstoffreiche Alternativen, die von Natur aus glutenfrei sind. Es gibt also keinen Grund auf vollwertiges Getreide und Pseudogetreide zu verzichten. Das sind zum Beispiel Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Teff, Maisgrieß, Vollkornreis und Hafer. Die ATIs aus diesen Nahrungsmitteln regen die Immunzellen um über 80 Prozent weniger an.

Derzeit steckt die wissenschaftliche Forschung zu den ATIs noch in den Kinderschuhen. Deshalb gibt es noch keine offiziellen Empfehlungen von den Fachgesellschaften zum Verzicht von Gluten/ATIs bei Autoimmunerkrankungen und anderen chronischen Entzündungen.

Wichtig ist, Gluten bzw. ATIs nicht als alleinigen Auslöser für chronische Entzündungen zu stigmatisieren, sondern als einen von vielen möglichen Triggerfaktoren. Es wird dir nur dann langfristig besser gehen, wenn du dich insgesamt entzündungshemmend ernährst.

Ernährung bei Hashimoto - was wirklich hilft!

Individuelle Unterschiede wird es immer geben. Das heißt, für den einen ist Gluten vielleicht ein großes Problem, für den anderen weniger.

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www.daab.de (Deutscher Allergie- und Asthmabund)

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